Gifte in der Natur
Zahlreiche Pflanzen verfügen über stark wirkende Giftstoffe, und gerade bei optisch sehr attraktiven Pflanzen helfen oft nur gründliche Kenntnisse, um Missgriffe zu vermeiden oder, falls Blätter, Blüten oder Beeren giftiger Pflanzen eingenommen wurden, etwa von einem Kind, sollte man sich in jedem Fall sofort an den Notarzt und die entsprechende Giftzentrale wenden, um schlimme Folgen zu verhindern.
Goldregen, eine beliebte Gartenpflanze, die gelb blüht und große Samenschoten ausbildet, sollte beispielsweise nicht in Reichweite von Kindern gepflanzt werden. Ebenfalls in Gärten und Parks anzutreffen: Die Eibe, ein Nadelgewächs mit dekorativen Scheinbeeren. Hier sitzt das Gift hauptsächlich in den Nadeln.
In geringer Dosis und entsprechend zubereitet, werden jedoch aus vielen dieser Pflanzen schon seit alter Zeit Heilmittel gewonnen, denn, wie im Mittelalter der berühmte Arzt Paracelsus sagte, allein die Dosis entscheidet darüber, ob eine Substanz giftig wirkt oder nicht. Wie giftig ein Stoff wirklich ist, entscheiden also die Menge und die Konzentration, in der dieser Stoff in den Organismus gelangt, und auch, wie der jeweilige Organismus auf diesen Stoff reagiert.
Alkaloide beispielsweise kommen in sehr vielen Pflanzen vor: Im Schlafmohn, im Bilsenkraut, im Bittersüßen Nachtschatten, der Tollkirsche oder dem Stechapfel. In größeren Mengen schädigen oder lähmen Alkaloide das Nervensystem, dosiert eingesetzt sind sie wirksame Schmerzmittel.
Während schon wenige Beeren der Tollkirsche eine für ein Kind tödliche Dosis des Giftes Hyoscyamin darstellen, wird beim Trocknungsprozess der vielseitige Wirkstoff Atropin gewonnen. Schon in alter Zeit wusste man, dass Atropin eine stark halluzinogene Wirkung hat. Allerdings wirkt es auch krampflösend und narkotisierend. Belladonna in homöopathischer Verdünnung wird erfolgreich bei einigen Infektionen eingesetzt. Schon im Altertum träufelten sich Frauen Belladonnasaft in die Augen, was die Pupillen erweiterte und die Augen kurzsichtig aber ausdrucksstark machte. Heute weiß man, dass das Auge damit für Eingriffe ruhig gestellt und schmerzunempfindlicher gemacht werden kann.
Ein weiteres Beispiel für Toxine, die in entsprechender Dosis wirksame Heilmittel darstellen, sind die Glykoside, die in Rotem Fingerhut, Pfaffenhütchen oder Maiglöckchen enthalten sind. In winziger Menge stärken sie das Herz, in höherer Dosis wirken sie tödlich.